Ausgabe 04/2019

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Gute Nacht und träumt was Schönes!

Lärm, Schnarchen, Stress, nächtliche Grübeleien: Vieles kann uns den Schlaf rauben. Dabei ist ein erholsamer Schlaf eine Grundvoraussetzung für Gesundheit, Wohl befinden und Leistungsfähigkeit. Wie guter Schlaf gelingt, verrät der Schlafmediziner Dr. Michael Feld im Interview. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass Schlaf Einfluss auf unsere Stoffwechselprozesse und die Hormonbildung hat“, so der Experte.

Schlaf vor Mitternacht soll der beste Schlaf sein. Wer früh zu Bett geht, schläft also besser?
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Das gilt eigentlich nur für die Frühtypen unter uns, die sogenannten Lerchen. Die, die eh schon früh aufstehen und früh ins Bett wollen, von innen heraus, für die ist der Schlaf vor Mitternacht der Richtige. Für die Spättypen unter uns, die Eulen, die gerne erst spät ins Bett gehen und auch dafür länger schlafen, ist der Schlaf vor drei Uhr der Wichtigste. Generell kann man sagen: Vor drei Uhr nachts sollten alle schlafen, aber um welche Uhrzeit genau hängt vom Chronotyp ab, also ob ich ein Früh- oder Spät- oder ein Mischtyp bin. Hauptsache es sind genug Stunden und der Schlaf ist erholsam

Manche Menschen kommen mit fünf Stunden Schlaf aus, andere brauchen mindestens neun Stunden. Leben Kurz- oder Langschläfer gesünder?
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Das kann man so genau nicht sagen. Denn jemand, der von seiner Genetik her nur fünf oder sechs Stunden braucht, wie zum Beispiel manche Spitzenmanager oder Spitzenpolitiker, leben damit lange und gesund, weil sie einfach nicht mehr brauchen. Es gibt in der Weltbevölkerung ca. 70 bis 80 Prozent, die sieben bis acht Stunden Schlaf benötigen. Nur zehn Prozent brauchen vier bis sechs Stunden und weitere zehn Prozent weltweit neun bis zehn Stunden. Jeder Mensch lebt mit der Menge Schlaf am besten, die sich natürlich einstellt. Viele Menschen, die sehr viel Schlaf benötigen, haben häufig einfach keinen guten Schlaf, weil die Erholsamkeit nicht da ist. Die sollten sich checken lassen.

Pflanzliche Schlafmittel, wie Baldrian, Hopfen und Melisse gelten als nebenwirkungsfreie Schlafmittel. Helfen die wirklich?
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Man kann sagen, dass man bei allen Schlafstörungen durchaus den Versuch starten kann, frei verkäufliche pflanzliche Hilfsmittel auszuprobieren. Baldrian ist da bewährt, aber auch Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Mikronährstoffe wie Tryptophan oder Melatonin. Das Schlafhormon Melatonin ist nun auch seit einiger Zeit in Deutschland frei verkäuflich und kann wie alle anderen Mittel sehr gut über 3 –  4 Wochen getestet werden. Wenn danach keine Besserung eintritt, sollte man grundsätzlich einen Schlafmediziner aufsuchen und das Problem abklären lassen, egal für welches Präparat man sich entscheidet.

Welchen Einfluss hat die Umgebung auf unseren Schlaf? Wie sollten Schlafzimmer und Bett aussehen?
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Also ganz einfach kann man sagen, das Schlafzimmer sollte dunkel, leise und kühl sein, damit das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet werden kann. Das hört sich einfach an, ist manchmal aber gar nicht so leicht umzusetzen. Krach von außen, schnarchende Partner oder zu viel Licht stören die Ausschüttung. Das heißt, wenn man z. B. nachts Pipi muss, besser nur gedimmtes Licht, nicht direkt alle Lampen anschalten. Auch abends beim Zähneputzen kann man das Licht im Bad schon etwas dimmen. Eine gute Schlafzimmertemperatur liegt zwischen 16 und 22 Grad.

Kann Sex das Einschlafen fördern oder ist man dadurch eher aufgekratzt?
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Das ist ganz unterschiedlich und hängt z.   B. von der Intensität des Sex ab. Generell kann man sagen, dass die meisten eigentlich nach erquicklichem Sex eher besser schlafen, weil Glücks- und Entspannungshormone ausgeschüttet werden. Man ist angenehm müde und schläft dann tatsächlich einfach besser. Für manche ist es aber auch kontraproduktiv, je nachdem, wie die sich verausgaben oder wenn es halt nicht so toll ist, dann kann es eher schlafverhindernd sein, weil man dann aufgekratzt ist, vielleicht frustriert.

Auch Meditation, autogenes Training und Entspannungsübungen helfen beim Runterkommen und Einschlafen. Dazu gibt es viele Präventionsangebote und die BIG gibt zweimal im Jahr 120 Euro pro Kurs dazu:
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©stocksy/Lindsay Crandall